Warum der Jakobsweg?

Ab 9. Oktober werde ich den Jakobsweg laufen. Von München nach Santiago De Compostella in etwa 120 Tagen. Es gibt Leute, die beneiden mich dafür, ich hätte Mut das durch zu ziehen, oder müsse mich glücklich schätzen, die Zeit zu haben. Andere machen sich Sorgen oder empfehlen mir Alternativen:

Was reizt einen 20-Jährigen Abiturienten am Jakobsweg? Da laufen nur alte Weiber, und abgedrehte, von der Mit-Live-Crisis geplagte Männer.

Lauf doch lieber über die Alpen, das ist interessanter! Der Jakobsweg ist was für Ältere …

Warum läufst du denn alleine? Das ist doch voll einsam …

Im Winter? Ist das nicht viel zu kalt?

Ich laufe jetzt los weil ich vorher keine Zeit gehabt habe. Hätte ich die Zeit gehabt, wäre ich im Juni los gegangen. Ich hätte mein Abizeugnis genommen und wäre los gelaufen. 

Ich könnte natürlich auch noch bis März warten. Studieren will ich eh erst Ende 09. Das wäre viel gemütlicher. Kann ich aber nicht. Ich muss jetzt raus. Auf eigenen Beinen stehen lernen. Zur Ruhe kommen.

Ich habe den Eindruck, nach dem Abi bin ich in ein tiefes Loch der Depression gefallen. Nachdem ich immer schon eine Struktur vorgegeben bekommen habe: Von den Eltern den Tagesablauf bis ich drei Jahre alt war, dann Kindergarten, Schule.

Und jetzt bin ich erwachsen. Die Struktur, die ich bekommen habe ist plötzlich weg. Muss mich selber um die Finanzen kümmern und meinen Tag alleine gestalten. Um dem aus dem Weg zu gehen fangen andere gleich an zu studieren oder machen Zivildienst. So bekommen sie wieder eine Struktur vorgegeben, das Leben kann weiter gehen.

Doch wann kann ich lernen, mir meine eigene Struktur zu schaffen? Es gibt Leute die haben das serienmäßig. Bei mir gehört das zur Sonderausstattung und die kostet. In meinem Fall Zeit.

Die werde ich ab kommenden Dienstag ins Wandern investieren. Laufen tut mir immer gut. Egal ob ich joggen gehe, oder in die Berge zum wandern, immer ordnet sich dabei etwas in meinem Kopf. Ich komme runter, werde selbstsicherer und ruhiger.

Mitwoch Früh gehts los, tag eins: vom Jakobsplatz in München nach Schäftlarn. 

Noch fünf Tage bis dahin.

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