Archive for the ‘Jakobsweg’ Category

Weihnachtsessen

24. Dez, 2008

Das Essen in Frankreich soll ja ganz lecker sein. Leider gab es gestern kein Essen. Nur Schlemmereien:
Languste, Champagner, spanischer Schinken und einen Eisbecher.
Ich war bei einer französischen Familie beim Weihnachtsessen.
Frohes Fest!

Auenland

24. Dez, 2008

Lieber Herr Staatspräsident,
Hiermit beantrage ich dir Umbenennung von „Frankreich“ in „Auenland“, das meiner Meinung nach nicht auf Island liegt, sondern in Westeuropa.
Ganz abgesehen davon könnte ein Zyniker sagen, die Wikipedia-Definition von Hobbit passe recht gut auf die Franzosen:
>>Sie sind ein eigentlich nicht passender Anachronismus in einer viel älteren, heroischen und mythischen Welt. So rauchen die Hobbits Pfeifen, leben gemütlich in ihrem Auenland und bleiben ungestört von den großen Problemen ihrer Zeit.<<
Frohe Weihnachten!

Acht Minuten

22. Dez, 2008

Ich hab heut 8 Minuten auf französisch telefoniert. Alles geht, wenns muss:
Meine Füße waren kalt und nass, es war dunkel und ich hatte keine Ahnung ob und wo ich eine Herberge bekomme.
Ich glaube so lernt man eine Sprache am schnellsten …
(der Tag war übrigens traumhaft sonnig, wodurch leider der Schnee in Strömen den Weg runter gelaufen ist, bis in meine Schuhe rein)

Fraternitè, Ègalitè, Libertè,

21. Dez, 2008

Endlich habe ich Frankreich erreicht. Das Land mit dem zentralen Schienennetz, einer zentralen Verwaltung und einer zentral gesteuerten Medienbranche. Kurz: dem Land von Luis XIV, Napolion und Sarkozy.
Jedenfalls bin ich seitdem krank und liege seit zwei Tagen in einen Bett im „Buffalo Grill“ in St. Julien de Genevoir.
Das Essen ist großartig, die Menschen überwältigend schön und sehr nett.
Ich denke zum ersten Mal daran Heim zu fahren.

Regen

05. Dez, 2008

Nichts als Regen.

Wanderweg

29. Nov, 2008

Drei Fotos

27. Nov, 2008

Der Sonnenaufgang vor meinem 37 km langen Marsch von Riggisberg nach Freiburg.
Außerdem das erste Schild mit einer Längenangabe nach Santiago, allerdings kann ich nicht glauben, dass ich schon 1000 km gelaufen bin.
Zuletzt: Das Pferd. Schön.

Freiburg ist auch schön. So schön, dass ich immernoch da bin: Ich sitze seit Stunden in einem italienischen Lokal und genieße den semi-französische Flair.

Zitat der Reise

27. Nov, 2008

„Du bist der erste Pilger den ich ernst nehmen kann.“
Sagte mir eine sehr nette Frau am Sonntag, deren Name ich leider vergessen habe (sorry!).

Eindrücke

23. Nov, 2008

Ich will gerade laufen und nicht schreiben, aber hier ein paar Fotos:
Grüße an meinen Pulli (1) Timberland, drei Bilder vom Stanserhorn (2,3) inklusive den australischen Touristen, die zum ersten Mal Schnee sehen (4), dann ein Fotoshooting für ein Buch über Einsiedeln, in dem ich auch erwähnt werde (5) und die Mörderbrücke von gestern, die bei jedem Schritt geknackst hat und 100 Meter über einem Abgrund hing (6).
Jetzt in Interlaken im Hostel, es geht heute weiter nach Thun.
Frohen Sonntag!

Sex und der Jakobsweg

20. Nov, 2008

Sex spielt für mich als Pilger eine erstaunlich große Rolle. Nicht weil ich soviel davon hätte, sondern gerade weil Sex nicht vorkommt, steht er stellvertretend für andere nicht gestillte Bedürfnisse. Ich bin mir zwar bewußt, das Sex hier nur kurzfristige Befriedigung bringen kann, jedoch mein Körper und mein Es sind da anders konditioniert.

Boys and men showing off

Dürfen Männer weich sein?

Die Konditionierung resultiert vor allem aus der praktischen Tatsache, dass Sex ein Weg ist an Liebe und Wärme zu kommen. Noch dazu einer, der dem archetypischen (und anachronistischen!) Bild eines Mannes entspricht. Denn hier kann Mann Wärme und Liebe bekommen und trotzdem männlich, dominant und all das sein, was angeblich Mann-sein ausmacht.

Männer kuscheln nicht einfach so. Dann wären sie nämlich weich, weibisch, schwul oder kindisch. Männer reissen Frauen auf. Dann sind sie cool, stark und unwiderstehlich.

Und das ist das Problem: durch dieses veraltete Rollenbild habe ich mich wohl so konditioniert, dass mein Körper denkt: „hier kriege ich schnell und (meist) unkompliziert eine kleine Portion Liebe, garniert mit Bestätigung und als Nachtisch einen Orgasmus.“ So denke ich an Sex wenn ich im Wald die Liebe zur Natur spüre. Ich denke an Sex wenn ich einsam bin. Und ich denke an Sex wenn ich unausgelastet bin.

Zurück zum Jakobsweg

Der Jakobsweg ist einsam. Jeder Fernwanderweg ist einsam. Denn man ist jeden Tag woanders und hat nie die Zeit die Menschen intensiver kennen zu lernen. Ich sehne mich nach körperlichen und geistigen Nähe. So telefoniere/chatte/emaile ich täglich nach Hause. Für das Bedürfnis nach Körperlichkeit gibt es allerdings keine virtuelle Lösung. Auch kenne ich meine GastgeberInnen zu kurz (um 18 Uhr ankommen, bis 24 Uhr Backgamon spielen), als dass Körperlichkeiten in der Luft läge.

Stärke und ihre Schwächen

Durch das wochenlange Laufen eines 20-Jährigen. Eines Jugendlichen/Mannes der sich in seinem besten Alter befindet, kommt dessen Körper zu ungewohnter Stärke. Ich bin also in den letzten Wochen zu einer für mich ungewöhnlichen Kondition gekommen. Das bewirkt, dass ich morgens um 7 loslaufen kann und um halb zwölf bereits 17 km und 600 Höhenmeter hinter mir habe. Außerdem abends viel weniger am Ende bin als noch am Anfang.
Gleichzeitig bewirkt diese Kondition, dass ich eine große Menge an Energie zur Verfügung habe, die nicht genutzt wird wenn ich nur wenig laufe oder Pause mache.
In dieser Situation reagiert mein starker, sich nach Nähe sehnender, unausgelasteter Körper mit Geilheit. Sex wäre nach einem Tag mit wenig körperlicher Anstrengung und noch weniger Erfolgserlebnissen eine Möglichkeit den Körper zu befriedigen. Er wäre danach ausgelastet, der Stolz wäre Befriedigt, hätte Nähe bekommen und würde so eine selige Befriedigung erzeugen.

Doch kann ich nicht die Energie umleiten oder aufsparen für einen neuen Tag und mit mir zufrieden sein? Einfach so?