Erkenntnis

17. Nov, 2008

Heute morgen laß ich ungefähr folgendes von Pater Kolumban:
„Religiöse Traditionen dienen dazu die Einheit der Gemeinschaft in sich und mit Gott zu stärken.“
Dieses Zitat hat mich lange beschäftigt: Die Folge dieser These ist, dass wenn ich mit einer Tradition (Kopftuch, Kruzefix, Beschneidung …) breche oder gegen sie etwas sage, dann vermittle ich den Anhängern der Tradition viel mehr als eine Abneigung der Tradition selbst, denn es vermittelt, dass ich einen DER Faktoren, der die Gemeinschaft subjektiv ausmacht, dieser abspreche. Damit vermittle ich eine Ablehnung gegenüber einer Gruppe Menschen.
Aus diesem Grund haben sich längst veraltete Traditionen gehalten. Kein Theologe würde heute einen Menschen, der das Vaterunser nicht kann, als ungläubig bezeichnen, wenn er sonst an Gott glaubt. Aber es gehört nun mal dazu. Obwohl eigene Gebete sicher viel mehr mit dem Glauben anstellen als runtergeleiherte.
Aus der Sicht eines religiösen Oberhaupts: was kann ich tun um die Glaubenseinrichtung (zb Kirche) zu modernisieren, aber gleichzeitig die Menschen, die ihr ganzes Leben lang ihren Glauben durch veraltete Traditionen nähren, nicht vor den Kopf stoßen?

Nebel

17. Nov, 2008

Dieses Foto bildet nicht nur die heutige Wettersituation ab, es symbolisiert auch meinen Blick, der sich eingeschlichen hat seit Beginn meiner Reise:
Ich schaue nur auf Schilder, ich plane (fast) nur den neuen Tag, alles andere liegt im Nebel.
Diese Art zu leben bringt Entspannung und macht mich glücklich. Wobei Sonne und Wärme auch mal wieder schön wären.

Einen Tag länger

17. Nov, 2008

Ich bin noch einen Tag länger im Kloster geblieben. Ziemt sich ja auch Sonntags.
NZZ am Sonntag gekauft und Goethe gelesen. Schön. Aber nicht so auslastend wie laufen.

Von wilder Freude erfasst …

16. Nov, 2008

… nachdem ich einen Tag Pause gemacht habe und mich im Haus zur Laterne (laterne.menschlichkeit.ch) ausgeruht habe, ziehe ich los. Es ist acht Uhr morgens und nebelig. Ich summe vor mich hin: ,,Im Frühtau zu Berge wir gehen fallera“ weiter weiß ich nicht.
Auf meinem Rücken sind über 17 kg und vor mir liegen 600 Höhenmeter. Zum Glück duftet das Graß und die Bäume sind so schön bunt, da läuft es sich besser.
Dann noch ein Anruf aus Deutschland, dazu Bierchermüsli, jetzt aber los!
Die frische Luft durchströmt mich und ich weiß: ich bin wieder auf dem Weg.
Die Stunden vergehen wie im Flug, bald ist es zwei Uhr nachmittags und bald hab ich den Etzelpass erreicht.
Oben steht, mitten in der Sonne und auf das tollste Alpenpanorama seit Beginn meiner Reise blickend, eine Kapelle. Zwei Opferkerzen, eine für die Familie, eine für all die Lieben, die mich sonst noch unterstützen, und raus in die Sonne.
Mit nach draußen gehen drei Schweizerinnen, mit denen ich schon vorher ins Gespräch gekommen bin. Sie stecken mir 21 Franken zu und wünschen mir eine gute Reise. Glückstag.
2 Stunden später erreiche ich das Kloster Einsiedeln. Ich bekomme Abendessen und werde zum Nachtgebet eingeladen. Abendessen: vegitarisch und lecker, yes! Nachtgebet:
Wow! 80 Brüder stehen hinten in der Kirche. Sie beten und singen. Großartig!
Leider war ich zu müde die ganze Komplet zu bleiben.
Um Acht ins Bett um Acht wieder wach. Auf geht’s zum nächsten Paß, heute: 500 Höhenmeter auf 1400 Meter rauf und wieder 1000 Meter runter.
Frohen Sonntag!

Schwein gehabt

12. Nov, 2008

Gestern war schweine-gutes Wetter gewesen. Passend dazu: Das dicke, schwarze Schwein.
Ist glaube ich schlachtfertig.

Wieder unterwegs

10. Nov, 2008

Nach neun mehr oder weniger entspannenden Tagen am Bodensee, (mehr entspannend weil wenig körperliche Belastung, viel Schlaf und Unterhaltung; weniger entspannend weil wenig frische Luft und, im Vergleich zu den Wochen vorher, wenig Freiraum und Zeit für mich), bin ich nun regeneriert und fit und ziehe durch die Schweiz. Etappen-Ziel ist Genf, das werden etwa 20 Tagesetappen sein.

Gepäck aktualisiert

Aussortiert habe ich vor meinem Start in die Schweiz: Das schwere Tagebuch, die schwere Kamera, den kalten, kurzen Rock und den Reiseführer nach Bregenz, neu dazu gekommen sind Skiklamotten, eine warme Mütze, Schal und ein leichtes Tagebuch.

Rorschach – St. Gallen

Gestern Abend habe ich in Rorschach geschlafen. In einer Herberge namens „Rorschachhof“. Der Herbergsvater (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigem Youtubeclip) gab mir Rabatt, weil Pilger, überschüttete mich mit Proviant, weil Pilger, und versprach mir ein Taschenmesser, wenn ich bis Santiago durchhalte.

Leider hat die Herberge Kabelanschluss auf dem Zimmer. So fing ich um 18 Uhr mit MTV-Masters an, guckte die Tagesschau, Tatort, James Bond – die Welt ist nicht genug (alberner Film im Vergleich zu Fosters neuem Meisterwerk und Ford-Werbefilm) und die Insel, zwischendurch immerwieder auf der Suche nach nackter Haut, und kam schliesslich um 4 Uhr zu Schlaf.

Aufstehen wollte ich enstsprechend nicht und erst nach einem ausgiebigem Frühstück im Hotel/Café Mozart war ich Fit genug um meine mikrigen 15 km nach St. Gallen anzutreten.

Das Schwitzen, die Sonne, die Anstrengung, die lächelnden „Grüazie“s, die frische Luft, die Zunge des Kalbes an meiner Hand – endlich wieder Draussen! – haben mich richtig froh gemacht.

Jetzt sitz ich am Computer in der Jugendherberge und warte auf die Antwortmail meiner heutigen Couch. Leider ist mein iPhone nicht mehr Schweiz-fähig, zumindest nicht was das Internet angeht, weshalb ich auf diesen beschissenen Kiosk-Computer zurückgreifen muss. Daher heute auch keine Bilder. Die kommen hoffentlich noch.

Bregenz

01. Nov, 2008

und zwischendurch auch mal Party gemacht …

Simmerberg nach Bregenz

31. Okt, 2008

Laut Reiseführer heute 26,5 km und etwa 350 Höhenmeter. Es ist großartig: der Geruch vom Wald und dazu der Anblick von angezuckerten Fichten und Tannen, ein Trampelpfad bahnt sich den Weg von einer Kuhwiese zur nächsten, es tröpfeld leicht, der Schnee auf den Bäumen schmilzt. Auf mein Hirn wirkt all das wie ein Fehrnseher, der ein Programm sucht. Ein Bild nach dem anderem Fliegt an meinem geistigem Auge vorbei: Natürlich denk ich zuerst an Sex im Wald, dann fallen mir alle möglichen Lieder ein: Moorsoldaten, die Gedanken sind frei, Froh zu sein bedarf es wenig; dann denke ich an all die schönen Dinge, die ich mit viel Geld anstellen könnte. Schulen gründen, Jugendarbeit unterstützen, einen personal Trainer anstellen … Aus dem Wald rausgekommen, stehe ich auf einem weiten Feld und das erste was mir dazu einfällt ist: Haben Sie schonmal eine solche Weite gesehen? Ein Traum! Fünf Stunden später erreiche ich bei Dunkelheit die Pfänderbahn. Sechs Euro kostet die Fahrt ins Tal. Unten werde ich, ganz kostenlos, von Xenia abgeholt, die mich in ihrem VW-Caprio, Baujahr ’93 in eine bregenzer Altbauwohnung bringt. Während sie noch mit mir spricht und am Computer ein Konzept ausarbeitet, schlafe ich in voller Montur ein. Es ist 21 Uhr.

Der erste Schnee

30. Okt, 2008

Heut Nachts hat geschneit. Zapfig. Bin gespannt, wie warm mir in meiner Ausrüstung ist. Gestern hab ich geschwitzt. Da hab ich beim Rast-machen natürlich gefroren. Muß ich heute eine Lösung für finden: entweder keine Rast im Kalten machen oder mich so anziehen, dass ich beim Wandern nicht schwitze.

Mir gehts gut

28. Okt, 2008

Ich mache nur zwei Tage Pause. Das tut gut. Ein bischen die Beine hoch legen. Gitarre üben und Französisch lernen.

Gestern habe ich ein Gitarrenbuch bekommen (ich nehme an geliehen – Danke Verena!), von Verena, meiner Couch von Vorgestern auf gestern. Das war richtig toll. Wir haben bis in die Nacht Backgamon gespielt (gleichstand), Rotwein getrunken (Flasche leer) und geraucht (Schachtel fast leer). Am nächsten Morgen bin ich nach Kempten in die Innenstadt und habe mich mit Alexandra unterhalten, die ich dort kennengelernt habe. War sehr nett. Wir waren glaube ich beide happy in dieser Kleinstadt einen netten Gesprächspartner gefunden zu haben.

Auf dem (vermeindlichen) Weg aus Kempten raus, bin ich an einem Musikladen vorbei gekommen. Nachdem ich schon vorher das Buch bekommen habe, dachte ich mir: jetzt muss eine Gitarre her! So ist mein Rucksack jetzt 3 KG schwerer. Ich hoffe, ich halte das durch.

Heute: Pause, entspannung, Tee, Gitarre, Französisch. Juhu!

Morgen gehts weiter nach Weitnau. Ich hoffe, ich komme beim Pfarrer unter.